CannaBiz – Die News im Oktober

by Hande Savus

Was ein ereignisreicher Monat für die Wartenden und Hoffenden in der Cannabis-Industrie. Steht und fällt alles mit dem Eckpunktepapier? Nach einem ersten Leak Mitte Oktober folgt eine Woche später die offizielle Präsentation des Eckpunktepapiers. Erste Freude und Euphorie der Branche,  dass die vorgestellte Punkte deutlich „besser sein“ als die zuvor veröffentlichten Informationen, weichen der Skepsis, ob die Pläne mit dem Europäischen Gesetz zu vereinbaren sind. Ein weiteres heißes Thema diesen Monat: Cantourages Börsengang. Das Unternehmen hat Ende des Monats verkündet, dass es bereits eine Privatplatzierung abgeschlossen habe. Ein Blick über den deutschen Tellerrand: Joe Biden spricht eine Begnadigung für alle Verurteilten aus, die wegen des einfachen Besitzes verurteilt worden. Die Niederlande beabsichtige, den Cannabis- Tourismus einzurschränken. In Kanada kann zukünftig per Uber Eats Cannabis bestellt werden.

#CannaMedizin

2020 habe der Cansativa den Zuschlag des BfArM erhalten, exklusiv in Deutschland angebautes Cannabis zu vertreiben, erhalten. Jakob Sons führe gemeinsam mit seinem Bruder das Unternehmen. Im DAZ- Interview erklärt er, wie sich die Zusammenarbeit mit den Apotheken seit der Legalisierung von medizinischem Cannabis entwickelt habe.

Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, Mundtrockenheit und Appetitsteigerung seien häufige Nebenwirkungen einer Therapie mit Cannabis. Das berichte ein Autorenduo aus dem BfArM im neuen Bulletin zur Arzneimittelsicher­heit, Ausgabe September  22 (Aerzteblatt).

#CannaInternational:

Joe Biden habe eine Änderung der Marihuana-Politik auf Bundesebene eingeleitet. Per Erlass spreche er eine Begnadigung für alle Verurteilten aus, die wegen des einfachen Besitzes der Droge nach Bundesrecht schuldig gesprochen worden waren (der Standart). Wegen der verhärteten innenpolitischen Fronten greife er nun zu einem Präsidentenerlass, um sein Vorhaben umzusetzen (LTO).

Der Schweizer Ex-Drogenbeauftragter Michael Herzig plädiere dafür, dass Jugendliche das Kiffen lernen sollen wie das Autofahren. Zwar stehe in mehreren Städten Pilotversuche mit der legalen Abgabe von Cannabis an, aber die Umsetzung sei zu zögerlich (NZZ Magazin).

Inzwischen sei in vielen US-Bundesstaaten Cannabis ganz legal: Stars, wie u.a. Justin Bieber, Snoop Dog und Seht Rogen vertreiben ihre eigenen Cannabis-Produkte (yahoo!life).

In Kanada sei Cannabis längst legal. Nun folge der nächste Schritt der Liberalisierung von Hanfprodukten: Dank einer Kooperation zweier Unternehmen (Uber Eats und Leafly) können sich einige Kanadier:innen ab sofort Marihuana direkt nach Hause liefern lassen (t3n).

So richtig legal sei Cannabis bisher nur in wenigen Ländern. Deutschland könnte jedoch bald eines davon sein. Dennoch zeichne sich weltweit ein Trend zu einem lockereren Umgang mit der Droge ab. Doch die Handhabe ist international recht unterschiedlich –n-tv erstellt einen Überblick (n-tv).

In Amsterdam beabsichtige die Bürgermeisterin dem Cannabis-Tourismus einen Riegel vorzuschieben. Widerstand komme aber aus dem Stadtparlament (T-Online).

#CannaPolitik

Obwohl der THC-Wert von CBD-Blüten oft unterhalb des Ausnahmegrenzwertes liege, verbiete der BGH den Handel damit. Denn bei Erhitzung werde weiteres THC freigesetzt, weshalb auch die Blüten zu den Betäubungsmitteln zählen. Mit seiner Entscheidung verwerfe der BGH die Revision zweier Angeklagter aus Berlin (n-tv). Die Verurteilung zweier Angeklagter wegen des Handels mit Cannabis-Blüten  – obwohl CBD in Deutschland legal sei –, zeige die den Zynismus heutiger Drogenpolitik, kommentiert die WELT.

Habe die geplante Legalisierung von Cannabis Auswirkungen auf Fahrverbote? Dort gelten bislang strenge Grenzwerte. Diese seien nicht mehr zeitgemäß, kritisiert  Professor Sven Gottschling – und fordert Reformen (RND).

Der Legalisierung folge kein Anstieg der jugendlichen Konsumentinnen, erklärt der Kinderpsychologe Andreas Gantner. Die Droge sei gefährlich, die Legalisierung trotzdem richtig (ZEIT).

Eckpunktepapier

Mitte Oktober, am 19. Oktober, wurde ein Entwurf des Eckpunktepapier vom RND geleakt. Zwar dementierte die Bundesregierung das vom RND geleakte Eckpunktepapier (BR). Dennoch ein Aufschrei in der Medienlandschaft: Das geleakte Eckpunktepapier lasse die Hoffnung auf eine Freigabe schwinden. Qualität und Quantität sollen weiterhin massiv kontrolliert werden, schreibt die TAZ. Die Pläne zielten auf eine „große Lösung“ ab, die nicht nur den Eigenanbau, also den Anbau von bis zu zwei Cannabis-Pflanzen erlauben (focus), sondern auch Beschaffung und Verkauf umfasse (FAZ). Die Besitzgrenze von 20 Gramm Cannabis solle unabhängig von der Herkunft des Cannabis-Produktes und des THC-Gehalts gelten (Stern). Es gelte ein generelles Werbeverbot (Zeit). Cannabis dürfe nur 15 Prozent des berauschenden Wirkstoffs THC enthalten, beim Verkauf an Personen zwischen 18 und 21 Jahren nur höchstens zehn Prozent (Tagesschau). Erwogen würden für den Verkauf auch Apotheken (RND). Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Johannes Vogel habe sich gegen zu strenge Regelungen bei der Cannabis-Legalisierung ausgesprochen.“Wir regulieren ja auch nicht, wie viele Flaschen Wein jemand zuhause haben darf“, erkläre im Tagesspiegel-Interview (ZDF). Eine weitere kritische Reaktion (Spiegel) an den geleakten Eckpunkten sei u.a. die Frage, ob der legale Cannabismarkt den Schwarzmarkt trockenlegen könne (T-Online, Zeit, SpektrumStern ). Insbesondere die THC-Höchgrenzen geraten dabei in die Kritik. Auch N-TV berichtet umfassen.d

Eine Woche nach dem geleakten Eckpunkten, am 26.10.11 wurde dann das offizielle Papier von Karl Lauterbach vorgestellt. Das mit allen beteiligten Bundesministerien abgestimmte Eckpunktepapier sei deutlich besser als die vergangene Woche geleakte Version (TAZ). Einen inhaltlichen Überblick erstellt u.a. die SZ,  u.a. sollen Cannabis und der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) künftig rechtlich nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft werden; neben der Umsatzsteuer auf Verkäufe sei eine gesonderte „Cannabissteuer“ geplant, die sich nach dem THC-Gehalt richte. Ziel sei ein Endverbraucherpreis, „welcher dem Schwarzmarktpreis nahekommt“ (weitere Artikel: rp-online, Handelsblatt).

Der Apothekenverband NRW spreche sich gegen den Vorschlag aus, Apotheken als Abgabestelle zuzulassen (tagesschau). Während der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte vor der geplanten Cannabis-Legalisierung warne, begrüße der Bund Deutscher Kriminalbeamter die Pläne der Bundesregierung  (WELT). Ein weiterer Tenor; das Eckpunktepapier sei unzureichend (Welt, Welt ), eine Notlösung (SZ) und zum scheitern verurteilt (Vgl. Bild, FAZ) – u.a. aufgrund von Mariuhanna-Mangel (NW) und weil das Eckpunktepapier in Brüssel geprüft werden müsse, ob  die Pläne mit Europas Gesetzen vereinbar sein. (tagesschau, LTO, ZDF, NTV ). Im Stern-Interview erkläre Peter Homberg, warum die Legalisierung am EU-Recht scheitern werde. Das ZDF erstellt einen Überblicksbeitrag über die Hürden der Legalisierung.

#CannaWirtschaft

Deutsche Anbauer warten seit Jahren auf die Legalisierung. Um mit dem Schwarzmarkt konkurrieren zu können, müsse der legale Handel aber einige Kriterien erfüllen, erkläre Ökonom Justus Haucap ntv.de. Außerdem plädiere er für Realismus bei Renditeerwartungen in der Cannabis-Branche.

Kaum eine Droge sei so beliebt wie Marihuana. Wenig verwunderlich, dass auch viele Anleger hoffen, bei einer Legalisierung mitzuverdienen. Unter den aktuellen Marktbedingungen sei ein Investment jedoch höchst riskant (Capital).

Der Medizinal-Cannabis-Anbieter Cantourage strebe die Frankfurter Börse an. Das Berliner Unternehmen, das dieses Jahr einen Umsatz von rund 15 Millionen Euro anpeile, habe bereits eine Privatplatzierung abgeschlossen, wie das Unternehmen  mitteilte. (Handelsblatt)

 t3n hat drei CEOs (Lars Müller – Synbiotic, Lars Möhring – Enua und Finn Hänsel – Sanity Group) aus der deutschen Cannabis-Branche um ihre Einschätzung zu Lauterbachs Cannabisplänen gebeten. Sie äußern sich optimistisch und hoffen, dass sich langfristig ein deutsches Reinheitsgebot für Cannabis etabliere. David Surjo, Vorstandsmitglied von Canify, äußert sich gegenüber der Augsburger Allgemeine optimistisch: „Ich bin mir sicher, dass wir eine Legalisierung erleben werden“. Bloomwell-CEO Niklas Kouparanis äußert hingegen Bedenken und verweist auf die noch bevorstehenden Hürden: „Wir brauchen einen Plan B“ (t3n).

Disclaimer: Redaktioneller Inhalt. Keine Investmentempfehlung.

Bildquellen

  • mattias-diesel-3M2cqBRQmjA-unsplash: https://unsplash.com/photos/3M2cqBRQmjA

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